Jahrgangsgemischte Eingangsstufe

 

"Wir sind eine Schule, in der Stärken der Schülerinnen und Schüler aufgezeigt und gefördert und Schwächen aufgefangen und gemindert werden.
Wir lernen miteinander und voneinander, indem wir die Stärken und Fähigkeiten aller Schülerinnen und Schüler, Erziehungsberechtigten und Lehrerinnen und Lehrer nutzen."
(Auszug aus dem Leitbild der Grundschule Jahnstraße)

Die zunehmende Heterogenität in der Schule, besonders bei der Einschulung, stellt Schule vor eine große Herausforderung. Die Kinder unterscheiden sich nicht nur deutlich in ihrem Einschulungsalter, auch ihre Vorerfahrungen sind sehr unterschiedlich. Außerdem ist jedes Kind anders. Sie lernen in unterschiedlichem Tempo und auf unterschiedlichen Lernwegen. Die Interessen der Kinder sind sehr verschieden. Wir als Schule haben den Auftrag, alle Kinder bestmöglich zu fördern. Differenzierung und auch Individualisierung bei den Lerninhalten spielen eine wichtige Rolle.  
In der jahrgangsgemischten Eingangsstufe werden Erstklässler und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet. Hierin sehen wir die Lösung, um den genannten Herausforderungen gerecht werden zu können. 
Gemäß unserem Leitbild wollen wir allen Schülerinnen und Schülern einen optimalen Start in die Schule ermöglichen. Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein. Schon im Kindergarten agieren die Kinder in altersgemischten, heterogenen Lerngruppen. Diese Erfahrungen wollen wir hier in der Schule aufgreifen, um den Übergang zu erleichtern und die pädagogische Arbeit in altersgemischten Gruppen fortzuführen. 
In dieser Vielfalt sehen wir Chancen für gemeinsames Lernen und damit eine Bereicherung für alle an Schule Beteiligten. Offenheit, Toleranz und Akzeptanz ist uns dabei sehr wichtig. Wir sind eine Schule 

Zehn Gründe für die Jahrgangsgemischte Eingangsstufe

Aus: Niedersächsisches Kultusministerium (Hrsg.); Jahrgangsgemischte Eingangsstufe – ein Weg zum erfolgreichen Lernen, Hannover 2021.

1. Schulanfängerinnen und Schulanfänger lernen von Anfang an in einer erfahrenen Gruppe die Regeln des Zusammenlebens. 
Die neuen Schulkinder werden in eine bestehende Gruppe aufgenommen. Die aufnehmenden Kinder helfen und unterstützen dabei, sich zu orientieren und sich in Schule und Unterricht zurechtzufinden. Dadurch entfällt die sonst lange Eingewöhnungsphase am Anfang der Schulzeit. (Sie kommen schneller an.)

2. Mit Beginn eines jeden Schuljahres ändert das Kind seine Stellung innerhalb der Lerngruppe. Es erlebt sich abwechselnd als jüngeres oder älteres Mitglied der Lerngruppe. 
Das Kind erlebt sich als jüngeres Kind, das betreut wird und gut aufgehoben ist. Es baut eine Beziehung zu seiner Lernpatin bzw. seinem Lernpaten auf. In der Stellung des älteren Kindes gibt es das, was es selbst als jüngeres Kind genossen hat, weiter. Es kann lenken, helfen und anregen. In einem immer wieder möglich werdenden Rollenwechsel innerhalb einer festen Bezugsgruppe erfährt jedes Kind somit Erlebnisse des eigenen Könnens.

3. Jedes Kind, auch ein leistungsstarkes, erlebt, dass ein anderes (z. B. älteres) Kind mehr kann. Aber auch jedes langsam lernende Kind kann sich als Helfer erleben. 
Auch ein Kind, das langsam lernt, erfährt seine Leistungsfähigkeit. Tempo ist nicht die entscheidende Größe! Versagensängste und Konkurrenzgefühle treten in den Hintergrund. Das Lernklima entspannt sich deutlich. Leistungsdruck, fest gefahrene Rollenbilder und ständige Vergleiche werden unnötig, weil jedes Kind individuell lernen kann und in Kenntnis seiner Stärken und Schwächen anderen Kindern zur Seite steht.

4. Die Älteren (und nicht nur die Guten) erhalten Gelegenheit, Gelerntes zu wiederholen, wiederzugeben und zu vertiefen. 
Indem Gelerntes an andere Kinder weitergegeben wird, kann deutlich werden, welche Aspekte und welche Lernwege das Kind verinnerlicht hat. Gleichzeitig wird durch die Möglichkeit, anderen Kindern Sachverhalte zu erklären, das eigene Wissen erneut angewendet und dadurch vertieft.

5. Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler können bereits die Unterrichtsziele des höheren Schuljahrgangs anstreben. 
Durch den Zuschnitt des Unterrichts auf das einzelne Kind werden die Schülerinnen und Schüler in ihrem Lerneifer nicht ausgebremst. Jedes Kind kann dort abgeholt werden, wo sich Anknüpfungspunkte für weitere Lernentwicklungen bieten. Kinder mit besonderen Begabungen haben die Möglichkeit, ihr Wissen zu vertiefen, aber auch an Inhalten höherer Schuljahrgänge zu arbeiten.

6. Kein Kind bleibt an Übergängen allein. 
Kinder, die in ihrer Entwicklung ihrer Altersgruppe voraus sind, können die Grundschule schneller durchlaufen. Ein Teil der bekannten Lerngruppe geht mit ihnen. Kinder, die mehr Zeit benötigen, verweilen zusammen mit einem bekannten Teil der Lerngruppe.

7. Lehrkräfte in jahrgangsgemischten Lerngruppen planen und reflektieren im Team.
Die Gestaltung des Unterrichts geschieht, soweit wie möglich, in enger Abstimmung und Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Kolleginnen und Kollegen. In stetiger Zusammenarbeit wird versucht, Inhalte und Vereinbarungen verständlich (nach außen)
zu vermitteln, Offenheit herzustellen und Ziele abzustimmen. Anregungen weiterzugeben, sie anzunehmen und gemeinsam entwickeln zu können, ermöglicht es, die eigenen Wege zu überdenken, neue Wege zu gehen und bewährte Wege auszubauen.

8. Lehrkräfte beobachten, dokumentieren und handeln entsprechend der individuellen Entwicklungsschritte des jeweiligen Kindes.
Ein Ziel des Unterrichts ist das Eingehen auf die individuellen Fähigkeiten der einzelnen Kinder. Dazu gehören sowohl die Förderung besonderer Begabungen als auch die Unterstützung bei Entwicklungsverzögerungen. Das aufmerksame und systematische
Beobachten der Lernentwicklungen der Kinder ist dabei ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts. Auf dieser Grundlage werden die Entscheidungen für die weiteren Lernschritte getroffen.

9. Die Klassen sind bunt gemischt. Dadurch wird die Vielfalt und Vielseitigkeit der Kinder als Bereicherung angenommen.
Dort, wo Unterschiede sind, entsteht Vielfalt. Eine Chance des jahrgangsgemischten Lernens ist es, diese Vielfalt zu nutzen. Die Verschiedenheit der Kinder anzunehmen ist eine gewinnbringende Herausforderung des Unterrichts.

10. Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für ihr Lernen.
Schülerinnen und Schüler entwickeln eigenständig mit Unterstützung der Lehrkraft ihre individuellen Lern- und Arbeitsprozesse. Sie sind für die Weiterführung ihrer Arbeiten in der Schule und zu Hause selbst verantwortlich. Der Unterrichtsablauf muss verständlich und nachvollziehbar sein. Zudem muss er nach festen und verlässlichen Regeln ablaufen, damit ein fester Rahmen für die selbstständige Arbeit gewährleistet ist.

Daraus ergeben sich für die Arbeit in der Eingangsstufe folgende Grundsätze: 

  • Wir nehmen alle schulpflichtigen Kinder auf. Eine Zurückstellung in den Schulkindergarten gibt es nicht mehr.
  • Jedes Kind kann in seinem Tempo lernen. Es bekommt so viel Zeit wie es benötigt. Die Eingangsstufe kann in ein bis drei Jahren durchlaufen werden.
  • Das bedeutet, in jedem Jahr verlassen die Kinder die Lerngruppe, die die geforderten Kompetenzen der Eingangsstufe erreicht haben.
  • Jedes Jahr kommen neue Lernanfänger hinzu.
  • Die neuen Kinder werden von den Kindern, die in der Lerngruppe verblieben sind, in das Schul- und Klassenleben eingeführt. Bei der Arbeit werden sie von den Kindern unterstützt und erhalten Hilfe.
  • Wenn ein Kind so weit ist, dass es schon in einem oder mehreren Fächern mit den älteren Schülerinnen und Schülern zusammenarbeiten kann, kann es dieses tun.
  • Sollte ein Kind in einem oder mehreren Fächern Wiederholung oder Übung bei älteren Lerninhalten benötigen, kann dies zusammen mit den jüngeren Mitgliedern der Lerngruppe geschehen.
  • Wir Lehrerinnen und Lehrer sehen uns als Organisator und Initiator von Lern- und auch Lehrprozessen. Durch individuelle Angebote wollen wir die Lernfreude fördern und die Kompetenzen jedes Kindes stärken und erweitern.